Las aceras

Ernesto Rico Schmidt am 25. September 2019

Von der Vielfalt von Bürgersteigen. Zwischen Katastrophen- und Kampfgebiet

Die Gestaltung und die Pflege von Bürgersteigen ist weitgehend in der Hand der Grundbesitzerinnen und Grundbesitzer. Die Stadt Cochabamba ist in den letzten Jahrzehnten enorm gewachsen, was zu teils bizarren Straßenzüge führen kann. Die Vielfalt an Materialien, Farben und Gestaltungsmöglichkeiten ist einfach enorm.

Ich kann mich noch erinnern, dass die Einfahrt im Haus meiner Eltern auf dem gleichen Niveau der Straße gelegen ist. Aber das ist fast vierzig Jahre her. In der Zwischenzeit hat die Straße, nicht nur einen Namen bekommen, sondern sie ist zweimal mit Steinen gepflastert worden, und später ganz einfach darüber asphaltiert worden.

Jetzt liegt die Einfahrt fast zwanzig Zentimeter unter dem Bürgersteig und dem Niveau der Straße.

Einfahrt unter der Straße

Die 300 Meter, die unsere Straße lang ist, sind vollständig asphaltiert und die Bürgersteige alle betoniert. Die Straße hat keinen spürbaren Höhenunterschied. Es gibt Abschnitte ohne Pflanzen, mit kleineren oder großen Pflanzen und Bäumen, und sogar mit Palmen.

Unsere Straße

Cochabamba ist gewachsen

Die Stadt liegt zwar hoch (2,558 Meter Meereshöhe) und ist relativ flach, aber sie ist dermaßen gewachsen, dass la mancha urbana (der urbane Fleck) sich mittlerweile über 140 km² bis hinauf in den Norden an der Grenze und in den Nationalpark Tunari, oberhalb der eigentlich erlaubten Grenze von 2,750 Meter, erstreckt.

Und das ist nicht das einzige Problem.

Katastrophengebiet Bürgersteig

Was passiert mit dem Bürgersteig, wenn die Besitzer wechseln?

Wenn das Haus neu gebaut, oder umgebaut wird?

Wenn zwanzig, dreißig Jahre vergehen, die Straße umgestaltet, oder einfach drüber asphaltiert wird?

Wenn aus den gesetzten Pflanzen, langsam große, zu große, Bäume werden, die anfangen den Bürgersteig zu blockieren oder den Bürgersteig zu sprengen?

Katastrophengebiet Bürgersteig

Kampfgebiet Bürgersteig

Wenn eine Stadt so schnell wächst, und mit ihr sich die Bürgersteigen in all ihrer Vielfalt vervielfachen, dann entdecken mehr und mehr Verkäufer den Bürgersteig als neue kostenlose Verkaufsfläche.

Es ist ein ständiger Kampf zwischen dem Bürgermeisteramt der Stadt, und den Verkäufern.

Nach einer aktuellen Studie der Stadt sind in Cochabamba 36 Prozent der Bürgersteige im Zentrum der Stadt von Verkäufern besetzt.

Verkäufer, die ihre Verkaufsfläche einfach in die Bürgersteigen vor ihren Geschäften ausweiten wollen, oder Verkäufer, die einfach den Bürgersteig zu ihrer Verkaufsfläche machen und so einfach die Miete ersparen wollen.