El día del peatón

Ernesto Rico Schmidt am 4. September 2019

Auto-freie Tage in der Stadt und Feuer im Wald

Der vollständige Name für die Initiative ist „nationaler Tag des Fußgängers und des Radfahrers zur Verteidigung der Mutter Erde“. Angesichts der zehn bis elf Tonen Müll, die alleine in Cochabamba, auf den Straßen jeweils in den letzten Auto-freien Sonntagen gesammelt wurden: ein schlechter Witz.

Inzwischen gibt es den día del peatón drei Mal im Jahr in Cochabamba: April, September und Dezember. Im ganzen Land gilt es nur am ersten Sonntag im September.

Die Initiative begann vor zwanzig Jahren und war zunächst auf die Stadt Cochabamba beschränkt. Das Ziel war der Kontamination entgegenzuwirken, die mit den Feuern, die am 23. Juni zu San Juán (Johannistag) traditionell in der Stadt, obwohl sie verboten waren, jeder gemacht hat (und dabei gleich unnötiges altes Zeug einfach verbannt hat). Ich kann mich noch erinnern, dass im meiner Kindheit am 24. Juni es einfach keine Flüge von oder nach Cochabamba gab. Der Flughafen war einfach geschlossen. Nicht genügend Fernsicht zum Landen oder zum Starten.

Im Unterschied zum letzten día del peatón, wo es geregnet hat und es vergleichsweise kalt und grau war, hat es am letzten Sonntag Prachtwetter gegeben und man merkte an den Temperaturen, dass es nicht mehr lange bis zum Frühling ist.

Palmeras

Am Sonntag packten alle ihre Fahrräder aus, die vermutlich ein Jahr, oder zumindest seit dem letzten Auto-freien Sonntag im Eck (Keller gibt es in Bolivien so gut wie keine) gestanden sind. Brachten sie schnell zur Reparatur, meistens um nur Reifen wieder aufpumpen oder vielleicht einen Platten zu flicken, und fuhren dann ein paar Runden in den Straßen. Oder unternahmen gleich einen Ausflug in das Zentrum der Stadt, das sonst voll mit Autos, Trufis, Taxis und Abgasen ist.

Avenida Beijing

Man hat sehr wohl gemerkt, dass zwischen Mitternacht und 18 Uhr keine Autos gefahren sind. Es war ruhig, man konnte richtig die Vögeln zwitschern hören, die viel bessere Luft atmen und den Frühling riechen. Die Polizei, Feuerwehr und Rettung und nach Angaben der Stadt Cochabamba auch einige hundert Autos und Taxis dürfen mit einer Ausnahme fahren.

Währenddessen

Das Departement Santa Cruz war ausgenommen von diesem Auto-freien Tag. In la chiquitanía im Osten des Landes brennt der Wald, und das seit fast einem Monat.

Weiter im Norden von Bolivien, im Departement Beni, im Amazonas-Becken, brennt auch der Wald.

Die Angaben schwanken zwischen einer halben Million und bis zu zwei Millionen Hektar, die insgesamt durch das Feuer vernichtet wurden.

In Cochabamba wurden in den letzten Tagen fast täglich Brände im Nationalpark Tunari, im Norden der Stadt gemeldet.

Bei den letzten zwei wurden fast 95 Hektar Wald vernichtet und ein freiwilliger Helfer starb.

Die Kontamination in Cochabamba ist eigentlich auch ohne Feuern sehr stark. Die tägliche Feinstaubkonzentration in der Stadt ist zwar im Vergleich zum Jahr 2005 vom 82 µg/m³ auf 73 µg/m³ im Jahr 2018 gesunken, ist aber noch immer über den bolivianischen Grenzwert von 50 µg/m³.