Las estaciones del año

Ernesto Rico Schmidt am 28. Juli 2018

Ich wurde vor einiger Zeit gefragt, was mich am Meisten aus Graz vermissen, die Antwort ist einfach: las estaciones del año.

Natürlich gehen mir Menschen und Orte in Graz besonders ab, aber über den nicht vorhandenen Unterschied zwischen den Jahreszeiten läßt sich einfach besser schreiben, und mit Daten belegen, ohne in Nostalgie zu verfallen.

Zwischen der Sommersonnenwende in Juni und der Wintersonnenwende am 21. Dezember, wird der Tag um knapp zwei Stunden länger. Der Sonnenaufgang und der -Untergang verschieben sich jeweils um eine Stunde auseinander und der Tag wird von elf auf dreizehn Stunden länger.

Heute ging die Sonne um 6:52 auf, und ist um 18:09 untergegangen. Elf Stunden und siebzehn Minuten Sonne, und das im Winter!

Willkommen zurück im südlichen Wendekreis!

Die Geschichte mit der Winterzeit

Winterzeit gab es einmal kurz auf dem Papier. Per Dekret wurde sie in Juli 1998 vom damaligen Präsident Banzer (sieben Jahre Diktator in den 1970er Jahren, demokratisch gewählt im Jahr 1997) eingeführt. Der Tag der Umstellung wurde im Dekret festgelegt: ab dem 15. Mai und bis zum 20. September (1999) sollte die Uhrzeit um eine Stunde zurückgestellt werden.

Die Begründung damals: Der Winter sei besonders hart geworden, die Temperaturen sanken sehr stark, die Gesundheit und die Arbeitsleistung der Bevölkerung leide darunter. Alles infolge der Klimaveränderung und der Treibhausgasse.

Die Kritik folgte prompt in allen Medien, die Begründung reichte nicht, um eine Maßnahme zu importieren, die hier noch nie gegolten hat und die selbst in Europa jedes Jahr diskutiert wird. Und So folgte am 31. März 1999, etwas mehr als ein Monat vor der geplanten Einführung, ein neuer Dekret, der die Anwendung aussetzte. Die Winterzeit trat nie in Kraft.

Was es sehr wohl gab und noch immer gibt ist el horario de invierno, den Winterzeitplan. Für drei bis vier Woche vor den Winterferien in Juli beginnt der Schulunterricht im gesamten Land eine halbe Stunde später als normal. Heuer wurde der Winterzeitplan in Westen, in La Paz, Oruro und Potosí um ein Woche verlängert.

Temperaturen

Tagestemperaturen

Der Jahresschnitt der Temperatur in Cochabamba liegt bei 16 Grad, aber die Höchsttemperatur ist im Jahresschnitt bei 24.5 Grad. Selbst im „tiefsten“ Winter (Juni und Juli), wenn es in der Nacht bis auf wenige Plusgrade abkühlt, kann die Temperatur am Nachmittag wieder 23 Grad oder mehr erreichen.

Ein Tag mit einer Tagesschwankung von 20 Grad ist im Winter keine Seltenheit oder ein Effekt der Klimaerwärmung. Das war auch in meiner Kindheit so.

Die meisten Tage sind sonnig. Selbst im Herbst und jetzt im Winter ist es fast immer sonnig. Was ein großer und sehr wohltuender Unterschied zu Graz und Europa an sich ist. Ganz subjektiv würde ich jetzt meinen, dass locker nicht mehr als ein dreißig Tage pro Jahr bewölkt sind.

Die Bäume verlieren Blätter, aber es gibt kaum einen Baum, der am Ende vom Winter kahl ist. Der el álamo (die Papel) ist der einzige Baum, der mir einfällt, der viele, aber nicht alle Blätter verliert. Es gibt andere Bäume, die erst jetzt im Winter blühen, wie el jacarandá.

Niederschlag

Niederschlag

Das ist eine etwas andere Geschichte. In Cochabamba, in der Stadt, regnet es im Durchschnitt 450 mm im Jahr. Die Regenzeit ist relativ kurz, es Regnet von Anfang Dezember bis Ende März. Der Rest des Jahres regnet es einfach nicht. Die einzigen Ausnahmen: Wenn es in den Bergen rund um Cochabamba schneit wird es in der Stadt kalt und es kann ein wenig im Winter Regnen.