Las camionetas

Ernesto Rico Schmidt am 5. Juli 2018

Früher prägten los tranformers das Straßenbild in Bolivien, jetzt sind es las camionetas.

Los transformers

Vor fast zwanzig Jahren erkannte ein findiger Unternehmer, dass die Obligation in Japan für Autobesitzer, das Auto immer wieder zu erneuern, obwohl es noch im relativ guten Zustand war, unglaubliches Potential für den Import und die Einfuhr in Länder wie Bolivien anbot.

Dass in Japan Rechtsverkehr und in Bolivien Linksverkehr herrscht war eine Kleinigkeit, die keinem zu stören schien. An Anfang verkehrten nicht wenige Wagen als Taxis oder trufis mit dem Lenkrad und dem Lenker auf der falschen Seite, bis die Regierung die Anpassung verlangte.

So entstanden Werkstätte an der Grenze zu Chile (die Autos wurden über den Hafen von Arica importiert), wo man die Vorderachse von einem Auto so aufgeschnitten hat, dass die Stücke wieder zusammengeschweißt werden konnten.

Diesmal mit der Lenkstange und dem Lenkrad auf der linken Seite.

Man baute die nicht weniger wichtigen Pedale ähnlich auf der linken Seite (das war ein weniger drastischer Eingriff, mit Glück lediglich ein Paar Ersatzteile) und belaß das Schaltgetriebe und die Handbremse unberührt stehen.

Wenn das Auto besonders „billig“ transformiert wurde, dann wurde das Bedienfeld einfach auf der rechten Seite stehen gelassen. Stopfte die teilweise noch funktionierenden Anzeigen und das Loch für die fehlende Lenkstage mit Teddybären.

Diese Wagen sind inzwischen nicht mehr so oft zu treffen. Aber an der umgekehrten Position der Getriebe (gilt übrigens auch für Automatikgetriebe, wo der Knopf auf der „falschen“ Seite ist) oder an der Postion der Handbremse, etwas zu weit in die Passagierseite, kann man noch heute manche transformers erkennen.

Las camionetas

Seit Begin der 2010er Jahre ist ein neues Phänomen im Straßenverkehr Boliviens zu sehen. Es gibt vermehrt amerikanische Wagen und ins besondere auffällig große pickup trucks.

Diese sind in der Regel Opfer einer Umweltkatastrophe gewesen. Sie sind bei einem Hurrikan in Florida, Texas, New York, an der Atlantikküste, oder auch in New Orleans, unter Wasser gestanden.

Diesmal erkannte (ein anderer?) Unternehmer die Gelegenheit diese Wagen, die als Versicherungsfall gemeldet und durch neue ersetzt wurden, zu importieren und in Bolivien einzuführen, ohne den gravierenden Eingriff der Transformation von Rechts- auf Linksverkehr machen zu müssen.

So fallen einem nicht nur die inzwischen überhaupt nicht mehr notwendigen SUVs, sondern auch Wagen, wo man sich wundert ob sie nicht mit dem falschen Umrechnungsfaktor zwischen Zentimeter un Zoll gebaut wurden.

Mit Namen wie „Chevrolet Silverado“, „Nissan Titan“ oder die luxuriöseren „Ford F-150“, „Toyota Tundra“ und diverse RAM-Modelle sind sie eindeutig für einen anderen Markt und eine andere Mentalität bezüglich Wagen und Besitz gedacht und gebaut worden.