La kantuta

Ernesto Rico Schmidt am 11. Juni 2017

Lange Zeit ist der Strauch nur in anderen Gebieten wie die Yungas gewachsen, aber dank dem milden Wetter und der Erderwärmung kann sie jetzt in Cochabamba, auf 2,760 Meter Meereshöhe, wachsen.

Kantuta

In meiner Kindheit haben wir im Kindergarten und später in der Volksschule jedes Jahr für den 6. August, Tag der Unabhängigkeitserklärung Boliviens, die drei patriotischen Symbole zeichnen und färben müssen: La bandera (die Flagge), la kantuta, la escarapela (die Kokarde).

Alle drei rot-gelb-grün war das eine relativ einfache Übung. Im Echt habe ich eine kantuta erst viel später gesehen.

Aus meiner Volksschulzeit weiß ich noch, dass sie die "heilige Blume der Inkas" genannt wird. Sie wurde in Zeremonien eingesetzt, ihr wurde auch die Fähigkeit zugeordnet Wasser länger zu konservieren. Seit 1924 (bzw. 1990 neben dem Patujú Bandera) ist sie offiziell die "nationale Blume Boliviens".

Meine Nichte hat in ihrer Volksschulzeit nicht nur die katunta sondern auch den patujú zeichnen und färben müssen.

Der Legende nach gab es vor langer Zeit zwei Könige Illimani und Illampu, die über zwei große Teile regierten. Am Himmel waren zwei weiße Sterne zu sehen, deren Größe und dessen Glanz wuchsen mit dem Reichtum und den Eroberungen des jeweiligen Reiches.

Die Könige hatten Söhne in gleichen Alter, deren Geburt wurde von der Entstehung einen rot und einem goldenen Stern begleitet. Dementsprechend wurden sie astro rojo (roter Stern) und rayo dorado (goldener Strahl) genannt.

Die Könige begannen einen erbitterten Krieg gegeneinander, um den größeren und strahlenden Stern am Himmel zu haben. In der entscheiden Schlacht wurden beide tödlich verletzt und am jeweiligen Sterbebett verlangen sie von ihren Söhnen Rache für ihren Tod zu üben.

Astro rojo und rayo dorado mussten den letzte Willen der Väter folgen, den Krieg fortsetzen und trafen sich, die Geschichte wiederholend, in der entscheidenden Schlacht aufeinander. Aber die letzte Geste der Söhne, die keinen Hass und Groll gegeneinander hegte, war sich zu umarmen.

Aus der Erde kam die Göttin Pachamama. Sie gratulierte Beide für ihr Verhalten und die zwei weiße Sterne am Himmel verloren ihren Glanz. Sie kündigte an, dass ein neues Volk in Friede und Liebe entstehen würde, dessen Farben das Rote und Gelbe, kombiniert mit dem Grünen der Hoffnung sein werde.

An deren Grab sprießte später eine rot-gelb-grüne Blume: la kantuta.

Kantuta